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Borkenheim Rock:

 

Eine Hymne muss man selber machen

Borkenheim braucht eine Hymne. Ich habe mich darum gekümmert.

Mit „Borkenheim Rock“ wollte ich einen Song machen, den die Leute hier als ihren eigenen verstehen können. Einen Track, bei dem man den Namen hört und sofort weiß: Das ist für uns.

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Musikalisch war für mich ziemlich schnell klar, wohin es gehen sollte: Breakdance, Electro-Funk und Rap im Geist der Achtziger. Drum Machines, Vocoder, große Synthesizer-Sounds und ein paar Laser.

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Die Instrumentierung und das Arrangement orientieren sich an den klassischen Platten aus dieser Zeit. Besonders spannend sind für mich aber die kleinen Details, die sich beim Hören festsetzen und irgendwann in der eigenen Musik wieder auftauchen.

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Bei den Drums war das vor allem „Planet Rock“ von Afrika Bambaataa & The Soulsonic Force. Dieser Groove hat mich schon immer gepackt. Ganz besonders der Laser-Sweep: wie er am Ende der Figur doppelt kommt und dabei für mein Gefühl leicht neben dem geraden Beat sitzt.

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Beim Hören hatte ich immer das Gefühl, mit einer Laserpistole um mich zu schießen. Aber im Groove. Genau dieses Gefühl wollte ich in „Borkenheim Rock“ auf meine eigene Art hinbekommen.

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Für Kick und Snare hatte ich einen anderen Klang im Kopf. Ich liebe diese frühen Achtziger-Drums im Stil von LinnDrum und Oberheim, besonders mit Gated Reverb – diesem großen Hall, der plötzlich abgeschnitten wird.

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Bei Kick und Snare gefällt mir das oft besser als die 808. Deren feine, präzise Hi-Hats haben wiederum ihren ganz eigenen Reiz.

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Dass man sich sein Schlagzeug aus verschiedenen Drum Machines zusammensetzen kann, ist mir durch die Videos von Anthony Marinelli zu den „Thriller“-Sessions noch einmal richtig bewusst geworden.

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Aus seinen Erzählungen ist bei mir vor allem ein Gedanke hängen geblieben: Für jeden Teil des Beats den Sound nehmen, der am besten funktioniert. Genau so bin ich auch hier herangegangen.

 

Die Hauptgesangslinie ist zunächst intuitiv entstanden. Ich habe über den Beat gesungen und gefreestylt. Erst danach ist mir aufgefallen, dass mich die Betonung und der Flow an „It’s Like That“ von Run-D.M.C. erinnern.

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Das war keine vorher geplante Vorlage, hat aber genau zu der Welt gepasst, in der sich der Song sowieso schon bewegt.

Im zweiten Teil der Hook wird es dann etwas unheimlicher. Dort kommt ein Lead-Sound dazu, für den ich „Planet Rock“ und Kraftwerks „Trans-Europe Express“ im Kopf hatte. Diese elektronische, leicht bedrohliche Atmosphäre wollte ich an der Stelle haben.

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Kurz danach hört man zwei weitere Sweeps. Dafür stand „Danger Zone“ von Midnight Express. In dessen Bridge gibt es diesen doppelten Effekt, der für mich nach UFO und Laser klingt.

Solche kurzen Stellen faszinieren mich: Ein Sound taucht nur für einen Moment auf, und trotzdem bleibt er jahrelang im Kopf.

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Eine weitere wichtige Referenz war „Land of Stuphph“ von Sneak E. Die Verbindung aus Vocoder und Sängerin hat mich auf die Idee gebracht, beide Elemente auch in „Borkenheim Rock“ zusammenzubringen.

Die Vocoder-Line dort finde ich nach wie vor überragend. Auch für die Gesangslinie der Sängerin in meinem Track war der Song ein Anhaltspunkt.

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Bei den Ad-Libs hatte ich Kurtis Blow im Ohr: diese Zwischenrufe, die den Track zusätzlich antreiben und ihm Persönlichkeit geben.

Als ich meine aufgenommen hatte, habe ich gemerkt, dass so etwas auf Deutsch ziemlich schnell auch eine Falco-Färbung bekommt. Die war vorher gar nicht geplant.

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Beim Mix war „Street Love“ von Twilight 22 meine wichtigste Referenz. Ich finde beeindruckend, wie klar und aufgeräumt diese Platte klingt und wie deutlich sie trotzdem ihren Achtziger-Charakter behält.

Besonders die räumliche Verteilung der Sounds war etwas, an dem ich mich orientiert habe.

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Ein bisschen von meinem selbstgemachten Home-Recording-Sound steckt weiterhin in „Borkenheim Rock“. Diesmal ist er allerdings dezenter. Der Mix ist heller, hat mehr Glanz und wirkt für mich insgesamt polierter als viele meiner anderen Produktionen.

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All diese Einflüsse laufen in einem Song zusammen, der hierher gehört. Ich wollte meine Begeisterung für diese Musik in etwas verwandeln, das die Leute in Bockenheim für sich beanspruchen können.

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Ich bin Noah Eliyas – Producer, Filmemacher, Designer, VFX-Artist und Veranstalter aus Frankfurt am Main.

 

Ich denke alles als zusammenhängende Sprache: Sound, Bild, Design, Raum. Wenn du in eine neue Stadt kommst, siehst du ihre Architektur und Farben, du hörst die Geräusche und Stimmen, du riechst die Luft und nimmst Lichtstimmungen wahr. Genau so soll auch meine Arbeit funktionieren: als ein Universum, das man sehen und hören kann – und das sich wie eine echte Erinnerung anfühlt.

 

So wie Star Trek über verschiedene Serien, Filme und Zeitlinien hinweg in einem konsistenten Universum spielt, gehört auch meine Kunst immer in denselben Kosmos. Wenn ich für einen Rapper produziere und das Musikvideo drehe, ist das Teil derselben Welt wie das Cover für einen Funktrack, den ich alleine release.

 

Mein Fundament liegt in Funk und Soul, besonders in der Ära 1970 bis 1989. Ich bin damit groß geworden – durch die Plattensammlung meines Vaters und durch frühe Zeit im Studio. Aber nicht nur die Musik hat mich geprägt: Auch die Produktionen meines Vaters haben mein Verständnis dafür geformt, was ästhetische, coole Konzeptmusik ist. Wie Arrangements wirken, wie Sounddesign Charakter bekommt, wie ein Song eine eigene Welt aufmacht – dieses Denken ist für mich früh normal geworden und prägt bis heute, wie ich Musik wahrnehme und baue. Diese Wärme, diese Textur, dieser Groove sind bis heute mein Maßstab. In einer Zeit, in der vieles immer digitaler und schneller wird, entscheide ich mich bewusst für Handschrift, Charakter und Atmosphäre.

 

Mit 17 habe ich mein erstes Fotobuch gemacht: „Kunst der Heimat“. Dafür bin ich durch Frankfurt gelaufen und habe Architektur- und Streetfotografie gemacht – Soul und Funk auf den Kopfhörern. Rückblickend war das der Anfang von dem, was ich bis heute lebe: Architektur, Musik und Lichtstimmung zusammenzudenken und daraus eine eigene Bildsprache zu bauen.

 

Mein Prozess beginnt immer mit einem Gefühl. Dieses Gefühl wird von mir als Produzent aufgegriffen und in Musik übersetzt. Dann vergleiche ich die Musik wieder mit dem Ursprung, bis sie das gleiche innere Bild trägt. Aus diesem Abgleich entsteht das Video. Auch das Video wird wieder gegen das Gefühl geprüft: Stimmung, Licht, Bewegung, Timing. Erst wenn alles mit dem Gefühl übereinstimmt, ist es für mich ein Gesamtprodukt.

 

Dieser Weg ist oft einsam. Ich habe selten das Gefühl, wirklich verstanden zu werden. Vieles entsteht komplett in meinem Kopf und in langen, stillen Phasen. Manchmal schauen ein oder zwei Menschen kurz hinein, manchmal gibt es für einen Moment Resonanz – aber im Kern trage ich diese Welt meistens alleine. Genau deshalb ist mir die Symbiose aus allem so wichtig: nicht nur ein Song, nicht nur ein Video, nicht nur Design, sondern eine Welt, die in sich stimmig ist.

 

Am Ende ist es für mich immer das Gleiche – egal, ob ich morgens mein Outfit zusammenstelle und Hose, Jackett und Krawatte so kombiniere, dass Kontraste, Eleganz und eine bestimmte Stimmung entstehen, oder ob ich im Studio an einem Track arbeite. Es ist derselbe Blick: Entscheidungen für Spannung, Balance, Geschmack und Vibe. Genau das versuche ich musikalisch und visuell umzusetzen. Ich lebe wirklich dafür, jeden Tag.

 

Ich bin dabei noch nicht am Ziel. Häufig erreiche ich bei meinen Arbeiten für mich selbst erst etwa 80 bis 85 Prozent von dem, was ich eigentlich im Kopf habe. Dennoch strebe ich nach mehr und treibe diese Zahl konsequent nach oben – bis das, was ich fühle, auch exakt so ankommt, wie ich es sehe.

 

Und genau an diesem Punkt frage ich mich auch immer wieder, ob Frankfurt gerade die richtige Stadt für mich ist. Mein Ziel ist klar: Entweder ich verändere Frankfurt mit – oder, wenn es nicht klappt, muss ich weggehen. So wie es ist, kann es gerade nicht bleiben. Ich träume von einem Space, an dem Musiker und Kreative sich treffen, austauschen und gemeinsam Projekte umsetzen können – ein Ort, an dem Kultur nicht nur stattfindet, sondern wächst.

 

Ich vergleiche das oft mit der Rap-Szene in L.A. Ende der 80er bis in die 90er: Da gab es einen Sound der Stadt, und viele haben mitgeholfen, ihn zu formen – bis die ganze Welt ihn kannte. G-Funk ist für mich nicht nur ein Genre, sondern ein Konzept: verschiedene Camps, verschiedene Charaktere, teilweise Gegensätze – und trotzdem war es am Ende ein gemeinsames Gefühl, eine gemeinsame Signatur. Selbst wenn man gegeneinander war, hat man sich darauf geeinigt, die Stadt zu repräsentieren und etwas zu bauen, das größer ist als einzelne Namen.

 

Genau diese Idee suche ich für Frankfurt Eine Szene, die sich trifft, zusammenarbeitet und einen Sound und eine Ästhetik erschafft, die man irgendwann sofort mit dieser Stadt verbindet. Wenn ich das hier nicht möglich machen kann, muss ich dorthin, wo es möglich ist.

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